Freitag, 25. September 2009

mir gehts gut!

Liebe Freunde, liebe Familie,

Mir geht’s gut. Ich merke wie ich Tag für Tag heran reife. Ich habe die letzte Woche viel gelernt und beginne das Leben hier mehr und mehr zu begreifen. Vor allem kann ich mittlerweile mit bestimmten Vorurteilen umgehen, die einem als Weißen hier begegnen.

Alles was ich schreibe und beschreibe sind subjektive Wahrnehmungen, man muss dazu sagen, das ich in einem Stadtteil wohne, indem vor allem ältere Menschen leben, wenig Studierte und eher die untere Mittelschicht. Vorurteile beruhen oftmals nicht auf eigenen Erfahrungen, sondern werden übernommen. Hier in Mexiko wird der Großteil der Bevölkerung an bestimmten Prozessen wie z.B dem internationalen Austausch ausgeschlossen. Nur die reichen Kinder haben die Möglichkeit zu reisen, im Ausland zu studieren, andere Sprachen zu erlernen.
Diese negative Einstellung gegenüber „Weißen“ ist verständlich!

Der Großteil der Bevölkerung hat einen indigenen Ursprung, jedoch sieht man beispielsweise im Fernsehen nur „Weiße“, so ist es auch in großen Unternehmen, in der Politik. Auf den höheren Instanzen arbeiten und bestimmen „Weiße“.

Dieser Rassismus gegen die eigene Bevölkerung ist ziemlich problematisch.
Es ist klar nach zu vollziehen warum die Kriminalitätsrate hier so hoch ist. Eine korrupte Regierung, nicht wirklich freie Wahlen, hier regiert das Geld!
Überall sind Polizisten und wöchentlich marschieren Soldaten durch die Stadt.
Nicht so wie bei uns sorgt die Polizei für Sicherheit und wird von der Bevölkerung generell akzeptiert.

Letzte Woche habe ich beobachtet wie ein Ladenbesitzer, der bestimmte Waren nicht registriert hatte, nach einem langen Gespräch dem Polizisten Geld in die Hand drückte und somit war die Sache erledigt.
Hier wird wirklich überall illegal verkauft und gearbeitet.
Ich war mit Freunden meiner Vermieterin in einem Viertel, in dem man alles an technischen Geräten von der Software über Filme, Laptops wirklich alles zum halben Preis und noch billiger kaufen kann, natürlich illegal. Da, die Leute hier kein Geld haben ist die Nachfrage sehr groß!
Ungerecht ist auch, das die „Reichen“ z.B Großunternehmer keine Steuern bezahlen müssen, da Sie die Regierung mit Geldern unterstützen . Hier zahlen die Ärmsten und die Mittelschicht über 30 Prozent ihrer Einnahmen und Gehälter werden versteuert. Das ist sehr viel, da die Einkommen sehr gering sind!

Man fragt sich wo diese Gelder hin fließen, der Bevölkerung kommen sie generell nicht zu Gute. Hier begegnen einem schlecht ausgebaute Straßen, in manchen Schulen sind 40 Kinder und mehr in einer Klasse, mit nur einem Lehrer, Sicherheit garantiert die Polizei nicht, zu wenig öffentliche Verkehrsmittel für über 20 Millionen Menschen, kein Gesundheitssystem welches jedem eine Versorgung garantiert. Die Meisten sind nicht versichert, da im Krankheitswesen alles privatisiert wurde und die Versicherungen sehr teuer sind.

Im Zentrum begegnen mir dann gigantische Bauten, viele Touristenattraktionen. Einige Stationen weiter gibt es diesen Glanz nicht, die Leute sind arm , aber doch glücklich. Oder sie erscheinen mir nur glücklich., gut gelaunt, freundlich, für jeden Spaß bereit, ich habe bis jetzt noch niemanden gehört der sich beklagt über sein Leben. Gisela(Vermieterin) erklärt mir viel und ich glaube es ist die Machtlosigkeit , die Hoffnungslosigkeit , irgendwann akzeptiert man sein Schicksal. Durch die extremen Kontrollen gibt es so gut wie keine Demonstrationen, keine Aufstände die Meisten haben Angst!

Wut und Ärger werden in Musik ausgedrückt und auf kleineren Instanzen arbeiten viele für eine gerechtere Welt hier in Mexiko.

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